Ein Pokerspiel kann nicht nur mit hohen Blättern oder fantastischen Starthänden gewonnen werden. Wäre dies der Fall, wäre Poker wahrscheinlich nicht halb so spannend und legendär.
Obwohl Bluffen natürlich ein wichtiger Bestandteil von Poker ist, überschätzen viele Spieler diese Strategie, bluffen viel zu häufig und dazu oft genau zum falschen Zeitpunkt. Informationen sind beim Bluffen das A und O. Dabei sollten Sie ganz genau wissen, mit was für einem Gegner Sie es zu tun haben, in was für einer Spielsituation Sie sich befinden und wie Sie am Tisch auf andere Spieler wirken.
Diese drei Aspekte lassen sich kurz zusammenfassen: Handelt es sich bei Ihrem Gegner um einen schlechten Spieler, der jeden Spielzug mit einem ‘Call’ erwidert, lohnt sich Bluffen nicht. Sobald ein solcher Spieler irgendeine Kombination bilden konnte, geht er auch immer mit. Prägen Sie sich diesen allgemein gültigen Spruch für immer und ewig ein: Gegen ein 'Calling Station' kann nicht geblufft werden!
Je nach Spielsituation sollten Sie außerdem immer darüber nachdenken, ob Sie mit Ihrem Bluff auch wirklich erfolgreich sein können. In einem Single-Table-Turnier ist ein Bluff bei einem Spieler mit nur wenigen Chips wahrscheinlich nicht die Mühe wert. Verzweifelte Spieler setzen in Turnieren Ihre letzten Chips außerdem immer mit einem ‘Call’. Wenn Sie sich es leisten können, dann versuchen Sie auf jeden Fall, einen solchen Spieler dazu zu zwingen, alle Chips zu setzen. Besitzen Bei einer geringen Chipsanzahl stellt Bluffen in einer solchen Situation aber eher eine gefährliche Strategie dar.
Ferner ist Ihr eigenes Image am Tisch ein Aspekt, den viele Spieler oft außer Acht lassen. Gehören Sie eher zu den ‘Tight Players’, die nur mit wenigen Pokerblättern spielen, stehen die Chancen auf einen erfolgreichen Bluff wesentlich besser. Ihre Gegenspieler würden nämlich dann vermuten, dass Sie endlich eine Hand bilden konnten und würdigen Ihre Einsätze somit mehr..
Bei vielen Einsätzen, Erhöhungen und besonders bei versuchten Bluffs, bei denen Sie zudem ertappt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit weitaus größer, dass Ihr Gegner Ihren neuesten Bluffversuch mit einem ‘Call’ oder einem ‘Re-raise’ erwidert. Wie auch Sie dem Verhaltensmuster anderer Spieler Beachtung schenken, beobachten Ihre Gegner Ihre Spielweise genau.
Auch die auf dem Tisch zu sehenden Karten enthalten Informationen. Bei einem möglichen Flush oder einem aus drei oder vier Karten bestehenden Straight sollten Sie überlegen, ob Ihre Gegner möglicherweise ein solches Blatt bilden konnten oder ob die anderen Spieler glauben könnten, dass Sie selbst einen Flush oder Straight erzielt haben. Die Spielzüge Ihrer Gegner sollten Ihnen im Idealfall Aufschluss über deren Blatt geben und Ihnen Ihre Entscheidung erleichtern.
Warten Sie auf jeden Fall bei Ihrem Bluff auf den richtigen Moment. Beobachten Sie Ihre Gegner genau, um einzuschätzen wie diese vor und nach dem Bluff reagieren werden. Versuchen Sie, dabei z.B. herauszufinden, ob sie zu den Spielern gehören, die nur bei guten Karten Geld setzen. Gehen zurückhaltende Spieler mit einem ‘Check’ mit, erhöhen sich Ihre Chancen dramatisch, einen erfolgreichen Bluff hinzulegen und Ihren Gegner aus dem Pot zu werfen.
Sind Sie kurz davor, in einem Single- oder Multi-Table-Turnier einen Platz mit dem erhofften Preisgeld zu erreichen (siehe Pay-Out Struktur), handelt es sich hierbei normalerweise um eine Phase, in der Ihre Gegner vorsichtiger spielen, um es ebenfalls auf die Preisplätze zu schaffen. Eine solche Phase eignet sich oft fantastisch, um mit einem Bluff Pots zu stehlen. Trotzdem sollten Sie sich immer der anderen Spieler und deren Spielweise bewusst sein und genau wissen, wie deren Reaktion bei Ihrem Einschüchterungsversuch ausschauen könnte.
Im Poker wird zwischen zwei verschiedenen Bluff-Arten unterschieden: Mit dem sog. ‘Stone-cold Bluff’ (dt. Eiskalter Bluff) versucht ein Spieler, den Pot ohne eine eigene Hand zu gewinnen. Hierbei handelt es sich um den gefährlichsten Zug überhaupt, der (vor allem in No Limit-Spielen oder Pot Limit-Spielen mit einem beträchtlich angewachsenen Pot) perfekt ausgeübt werden muss. Misslingt Ihnen dieser Zug, verlieren Sie mit Sicherheit nicht nur eine große Menge an Chips, sondern zudem auch ein Stück Ihrer Pokerwürde.
Die zweite Bluff-Art, der ‘Semi-Bluff’, ist in der Regel sicherer. Ein ‘Semi-Bluff’ wird als ein Bluff definiert, der dann ausgeübt wird, wenn Sie zwar keine vollständig gebildete Hand besitzen, aber ein Blatt haben, das mit einer anderen Karte verbessert werden kann – auch wenn die Chancen, diese Karten zu erhalten, eher schlecht aussehen.
Beispiel: Sie besitzen ein A-10-Startblatt und beim Flop werden die Karten J-9-8 aufgedeckt. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie zwar nur ein ‘Ace High’-Blatt, aber mit einem Bluff hätten Sie zumindest die Chance, eine Dame oder eine 7 für einen Straight oder eine weitere Ass für ein ‘High Pair’ zu erhalten. Selbst wenn ein Spieler mit einer stärkeren Hand Ihren Einsatz mit einem ‘Call’ erwidern sollte, haben Sie somit zumindest noch die Möglichkeit, Ihre Hand zu verbessern.
Ein ‘Semi-Bluff’ ist aus dem Grund einem ‘Stone-cold Bluff’ überlegen, da der ‘Semi-Bluff’ auf zwei verschiedene Arten gewonnen werden kann: Die Gegenspieler legen entweder ihre Karten ab oder Sie erhalten die Karten, die Sie zur Bildung Ihrer Hand benötigen! Der ‘Stone-cold Bluff’ kann dagegen nur dann gewonnen werden, wenn die anderen Spieler durch einen ‘Fold’ aussteigen.
Bluffen ist im Poker eine Kunst für sich. Es lässt sich aber sagen, dass es im Allgemeinen schwieriger ist, Spieler online als in einem echten Casino mit Spielern aus Fleisch und Blut zu bluffen. Die wenigen, zur Verfügung stehenden ‘Tells’ erschweren es Ihnen, die Blätter Ihrer Gegner online richtig einschätzen zu lassen.
Vergessen Sie aber eines vor allem nicht: Übung macht auch beim Bluffen den Meister! Denken Sie immer an die oben beschriebenen ‘Goldenen Regeln’ und an den richtigen Augenblick – und Bluffen könnte sich für Sie tatsächlich als eine lukrative Strategie herausstellen.