Die folgende Situation kommt im Poker ziemlich häufig vor: Einem Spieler gefallen seine Hole Cards so gut, dass er sich für einen ‘Raise’ entscheidet, der von seinem Gegner ‘gecallt’ wird. Unglaublicherweise verpasst ein solcher Spieler in den meisten Fällen den Flop: Nach dem ‘Call’ seines Gegners geht der Spieler mit, der Gegner setzt einen Einsatz (‘Bet’) und der Spieler muss seine Karten notgedrungen ablegen. Dieser Spielverlauf scheint sich so oft zu wiederholen, dass sich bei einem Spieler mit einem A-K-Startblatt die Prophezeiung “Raise, Check, Fold!” in den meisten Fällen auch wirklich bewahrheitet.
Nicht umsonst gibt es den Spruch “Most flops miss most players” (dt. “Bei den meisten Flops ist für die meisten Spieler nichts dabei”). Aus diesem Grund ist es keine schlechte Idee, in dieser kniffligen Spielsituation in jedem Fall die Initiative zu ergreifen, auch wenn sich das eigene Blatt nicht unbedingt verbessert hat. Mit einer solchen Taktik (auch Continuation Bet genannt) gewinnt man häufig eine Runde mit einem Blatt, das man normalerweise abgelegt hätte.
Leider werden beim Flop keine Karten aufgedeckt, die Ihr Blatt verbessern konnten. Aber selbstsicher, wie Sie nun einmal sind, leisten Sie noch einen Einsatz und setzen Ihre Gegner schön unter Druck. Konnte Ihr Gegner ebenfalls keine Hand bilden (‘he missed the flop’), müsste er trotz seiner nutzlosen Karten entweder auf einen ‘Call’ oder einen ‘Re-Raise’ setzen. Eine schwierige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass dieser Spieler vor dem Flop bereits einen ‘Raise’ ‘gecallt’ hat! Die meisten Spieler geben deshalb bei einem unvollständigen Blatt auf und legen ihre Karten weg.
Manche Spieler lassen sich jedoch von dieser offensichtlichen ‘Continuation Bet’-Strategie nicht beirren und erwidern Ihren Spielzug mit einer weiteren Erhöhung. Geben Sie sich in einem solchen Fall am besten geschlagen. Auch andere Spieler wie die sog. Calling Stations haben ihre Tücken und denken ohne Rücksicht auf die erbrachten Einsätze fast nie über einen ‘Fold’ nach. Gehen Sie bei einem solchen Gegner einfach durch einen ‘Check’ mit (der Spieler macht es Ihnen wahrscheinlich nach) und hoffen Sie dabei, dass beim Turn oder River ein paar brauchbare Karten aufgedeckt werden.
Kontert einer Ihrer Gegenspieler Ihre ‘Continuation Bet’ mit einem ‘Call’, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er ein mittleres oder niedriges Paar oder zumindest einen ‘Draw’ besitzt. Warten Sie in diesem Fall am besten bis zum ‘Turn’, um sich dann zu entscheiden, ob sich das Spiel weiterhin lohnen würde und ob der Pot noch immer einen weiteren Einsatz wert ist. Wenn Ihr Gegner allerdings mit Sicherheit ein gutes Blatt besitzt und seine Karten deshalb voraussichtlich nicht ablegen wird, sollten Sie nicht länger zum Pot beitragen.
Bei einer ‘Continuation Bet’ handelt es sich um keinen ‘Bluff’, sondern um die positive Spielweise eines Spielers, der weiterhin die Initiative ergreift, seine Gegner ist Schach hält und ihnen keine kostenlosen Karten zukommen lässt. Gleichzeitig ist die ‘Continuation Bet’ außerdem ein ‘Testeinsatz’, mit dem das Blatt des Gegners möglicherweise besser einschätzt werden kann.
Wenn Sie sich an die ‘Continuation Bet’ heranwagen möchten, sollten Sie auf jeden Fall versuchen, Fehler zu vermeiden, die vor allem von unerfahrenen Spielern mit Blättern wie A-K, A-Q oder A-J begangen werden: Nachdem ein solcher Spieler vor dem Flop erhöht und beim Flop keine brauchbaren Karten erhalten hat, entscheidet er sich dennoch für einen All-in, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, welche Karten seine Gegner in den Händen halten könnten.
Hierbei handelt es sich keinesfalls um einen ‘Testeinsatz’. Stattdessen riskiert der Spieler seine gesamten Chips in der blinden Hoffnung, dass sein Gegner seine Karten ablegt. Wenn Sie mit einer fantastischen Starthand ‘All-in’ gehen möchten, eignet sich eine Runde vor dem Flop dafür am besten. Wenn die ersten drei Community Cards allerdings nichts brauchbares hergeben und Ihr Gegner sein Blatt verbessern konnte, dann lassen Sie es lieber sein.